“Ich seh das aber anders…” Ein Rant zu Reaktionen auf den Blogpost von Mika Baumeister

[TW: 4U9525]

Es ist noch nicht mal zwölf und ich bin schon wieder wütend. Ich möchte Menschen mit dem Buch “Die verlorene Ehre der Katharina Blum” bewerfen. Nur dass die Lebensrealität von Betroffenen im System Journalismus™ halt eh keinen Platz hat.

Vorgestern hat Mika Baumeister, Schüler des Joseph-König-Gymnasiums, das beim Absturz von 4U9525 Lehrerinnen und Schüler*innen verloren hat, über die regelrechte Belagerung der Stadt Haltern durch die Medien gebloggt. Gestern habe ich zusammen mit @anathem, @noctiajared, @Papiernote und @Sternenkind eine englischsprachige Übersetzung erarbeitet, die nun ebenfalls auf seinem Blog zu finden ist.

Und ich habe mit einem Journalisten diskutiert /o\

Er hatte Mikas Blogpost ebenfalls gelesen und erklärte, das sei der größte Bullshit den er seit langem gelesen habe. Grund: Mensch könne doch nicht ausgerechnet die ARD die komplette Berichterstattung übernehmen lassen! Und überhaupt, wo bleibt die Pressefreiheit, wenn nur noch das Staatsfernsehen™ berichten darf?! Ein Punkt, dem ich grundsätzlich durchaus zustimmen kann. Ich brauche keine Berichterstattung von Menschen, die in ihrer Themenwoche fragen, ob Sexualitäten jenseits der Heterosexualität “normal” sind. Und es gibt viele Situationen – etwa Demos -, wo es hilfreich sein kann, wenn möglichst viele, unabhängige Menschen berichten, was passiert.  ABER IST HALT NICHT DER PUNKT UM DEN ES GERADE GEHT.

“Warum ist es so wichtig, dass jeder seinen Exklusivreporter hier hinschickt?”

Diese Frage stellt Mika im Gespräch mit Richard Gutjahr. Er stellt ja keine feste Liste von Medien auf und fordert, dass nur genau diese in Zukunft noch aus Haltern berichten dürfen. Er sucht einen Weg aus dem Drölfzigtausend-Medien-Glauben-Ihre-Leute-Hinschicken-Zu-Müssen-Drama. Natürlich sind erste Gedanken und Bedürfnisäußerungen noch kein Masterplan!

“Das ist zeitgeschichtlich relevant, Gauck war da!”

Ein Argument, was dann in der sich entspinnenden Diskussion aufkam, war, dass Haltern eben für Deutschland zentraler Ort der Trauer war, es dort ja auch eine Trauerfeier mit Joachim Gauck gab, es dadurch also berichtenswert war. Mag sein, aber mal ernsthaft…ein wichtiger™ Typ taucht auf und plötzlich sind die Gefühle aller anderen irrelevant?! Zumal Mika ja nicht mal sagt, dass gar nicht berichtet werden soll. Aber halt nicht so. Und natürlich, wenn alle Medien über ein Ereignis berichten, zieht man* mit, in der Hoffnung, selbst auch noch ein Foto verkauft oder gute Einschaltquoten für die nächste Sendung zu bekommen (Und die übernächste. Und die überübernächste). Das Problem heißt Kapitalismus. Aber seit wann muss man* Dinge verteidigen, nur weil man* glaubt, sie nicht ändern zu können?! Und überhaupt, rechtfertigt das vielbeschworene “öffentliche Interesse” wirklich die Art von Grenzüberschreitung gegenüber den Betroffenen? Die meisten Menschen werden nicht ständig gefilmt und vollgequatscht, wenn sie gerade Freund*innen oder Bekannte verloren haben. Auch die Menschen in Haltern haben ein Recht darauf, in Ruhe zu trauern. Ich würde sogar so weit gehen und sagen: JA GENAU!, WENN DIE BETROFFENEN DAS SO WÜNSCHEN WÜRDEN (was, wie gesagt, wie ich es lese nicht mal Mikas Punkt war), SOLLTE ES GAR KEINE BERICHTERSTATTUNG VON DER TRAUER GEBEN. TRAUMATIZED PEOPLE ARE NOT YOUR PAGEFILLER.

“Tja, ich seh das aber anders”

Schließlich beendete er die Diskussion damit, dass er nicht verstehe was an der bloßen Anwesenheit von Reportern mit Teleobjektiven schlimm sein soll und er das halt anders sieht. NATÜRLICH SIEHST DU DAS ANDERS, DAFÜR IST’S NE VERDAMMTE BETROFFENENPERSPEKTIVE! Die man* sich gerne mal länger durch den Kopf gehen lassen darf, statt sie anhand irgendwelcher Halbsätze abzutun. Nur weil man* selbst vielleicht einfach abends wieder nach Hause gehen kann und der Absturz von 4U9525 letztendlich doch irgendwie nur eine weitere Geschichte war. Und ja, einige haben auch schon den Post von Mika geteilt oder mit ih m gesprochen. Aber es ist SO gruselig, wenn selbst Journalisten, die nicht vom Typ “Mikro im Blumenstrauß” sind, jetzt sinngemäß auch hier wieder mit dem altbekannten Muster “Wir machen doch nur unseren Job, die sollen sich mal nicht so anstellen, das ist eben so, und überhaupt ist dieser in einer Belastungsituation geschriebene Artikel nicht 200%ig korrekt!” argumentieren und über die Köpfe Betroffener hinweg definieren wollen, was okay ist. Ihr seid nicht im, ihr seid das System. Ihr macht Menschen kaputt.

Sehr lesenswert (und ziemlich heftig) übrigens auch nochmal der Text “Witwenschütteln. Das wollt ihr alle nicht erleben” von Sandra Schink.

 

Glücklich_wer_den_n

Guten Tag, ich möchte mich bei Ihnen bewerben. Zum Glücklichsein. Ja ich weiß, die Plätze sind knapp, all die Einsparungen in den letzten Jahren, wissenschon. Was werden wollense alle, und dann auch noch glücklich, der Markt ist dafür einfach nicht da. Haben Sie denn eine Glücklichseinsberechtigungsbescheinigung? Nein? Nun, dann wird es schwierig. Aber zumindest ein dreijähriges Studium sollte doch drin sein. So mit ein, zwei Praktika? Jetzt sagen Sie nicht, dass studieren Sie nicht glücklich macht, glücklich machen würde, glücklich gemacht hätte, schließlich ist das Ziel der Weg. Oder so. Na gut, wir werden darüber nachdenken, was wir für Sie tun können. Vielleicht können wir Ihnen ja eine geringfügige Beschäftigung anbieten. Sie könnten die Trauer der Welt in hübsche Lügenmäntelchen des Glücks einhüllen. Oder uns bei der Kund*innendatenanalyse unterstützen, damit wir bald endlich besser wissen, was sie glücklich macht, als sie selbst. Wenn Sie Glück haben, können wir Ihnen auch ein Glücksstipendium anbieten. Aber dazu bräuchten wir halt schon mindestens so drei Arbeitsproben von Ihnen. Veröffentlicht und mit drei anerkannten Preisen geehrt, selbstverständlich. Was sagen Sie? Wenn Sie die hätten, wären Sie ja bereits glücklich? Sie sind aber auch ein außergewöhnlicher Fall. Schwierig, schwierig. Glücklich sein wollen, tzä. Aber ein paar Naive gibt’s ja immer. Wir melden uns.

#SFMittendrin – ein Rückblick

“Ich habe ja jetzt schon ein bisschen Angst, dass ich Mittendrin vermissen werde.” – “Ja, das glaube ich auch.”

Erster Praktikumstag...
Erster Praktikumstag… :)

Ich liege auf dem Bett, durchs offene Fenster sehe ich den blauen Himmel, wenn ich aufschaue. Gedanklich jedoch schaue ich zurück. Auf die letzten drei Monate. Das klingt erstmal nicht lang, doch es ist unheimlich viel passiert. Jetzt ist der Juli fast zu Ende.  Ab dem ersten August ist mein allmorgentliches Ziel dann nicht mehr das Büro von Mittendrin, sondern das in der Pressestelle der Stadtreinigung.

Es ist wahr geworden, was auf der Herzliste 2014 ganz oben stand und doch im Blogpost nicht auftauchte. Aus Angst, dass es nicht klappt. Aber das hat es. Wenige Tage vor meinem 18. Geburtstag bin ich aus dem nerdhessischen Edgekaff nach Hamburg gezogen. Und habe dort zum ersten Mal das Schreiben zum Beruf gemacht. Irgendwie.

Schilderkrampf
Der K(r)ampf mit dem Schildaufhängen…

Als ich an meinem ersten Praktikumstag ins neue Mittendrin-Büro kam, bestand das aus einem Schreibtisch, drei Stühlen und einem privaten Laptop. Es war so kalt, dass wir uns mit Rücken an die Heizung kuschelten, und Internet gab es auch nur über einen iPad-Hotspot. Wenn ich auch mit der Gründung des Magazins nichts zu tun hatte, so kann ich nun zumindest trotzdem von mir behaupten, bei seinem Aufbau mitgeholfen zu haben – und das im Wahrsten Sinne des Wortes: Schreibtische zusammenschrauben, Pinnwände aufhängen… ;)

In kommenden Wochen entwickelte sich bei Mittendrin einiges. Über dem Eingang, wo irgendwann mal wer mit grüner Farbe “ART” geschrieben hatte, hängt jetzt ein hochseriöses Schild, damit die Post uns auch findet. Es gibt inzwischen Sofas, genügend PCs für alle und eine Erdbeerpflanze im Hinterhof, und wenn wir Isa nicht davon abgehalten hätten, zum Tierheim zu rennen und Hugo und Gustav vom traurigen Los vorm Urlaub zurückgelassener Haustiere zu erretten, hätten wir jetzt auch zwei Redaktionskaninchen. Schulpraktikanten kamen und gingen. Ich habe neue Kolleg*innen kennengelernt und Freund*innen gefunden in dieser Stadt, in die ich unbedingt wollte, letztendlich aber irgendwie doch nur die Fußballkumpels des Lebensabschnittstrolls kannte. Und ich habe viel gelernt. Dass Journalismus eben kein Aktivismus ist und wie man es trotzdem schafft, politischen Bullshit in völlig sachlichem Ton zu entlarven. Wie es sich anfühlt, schon beim Ankommen bei einem Termin zu wissen, dass ich darüber schreiben (müssen) werde, statt wie beim Bloggen darauf zu warten, dass mich ein Thema persönlich so mitreißt, dass ich darüber schreiben möchte. Von Idealismus und wie frustrierend es sein kann, mit einem irgendwielinksalternativen Magazin doch wieder finanziell abhängig zu sein. (Ihr möchtet übrigens ganz dringend an Mittendrin spenden, hab ich Recht? *hust*) Wie Zusammenarbeit mit flachen Hierarchien funktionieren kann und wie schwierig es im alltäglichen Stress doch wieder sein kann, Dinge abzuklären und vernünftig zu kommunizieren. Dass eine die abzurechnenden Texte nicht am Ende des Monats erst wieder aus dem System suchen möchte, sondern gleich eine laufende Liste führen. Wie verschiedene journalistische Textarten geschrieben werden, wie Suchmaschinenoptimierung funktioniert und wie viel Arbeit oft in einer kurzen und scheinbar banalen Meldung steckt. Und, dass WordPress und Facebook zickige Biester sind, aber das wusste ich ja vorher schon.

GIF
Nerv mich nicht!

Daran, den ganzen Tag über nicht zu Hause zu sein und dann abends noch ALL DIE DINGE erledigen zu müssen, musste ich mich erst gewöhnen. Genauso wie daran, dass über das, was ich geschrieben hatte, immer noch irgendwer drüberredigiert. Und ich nicht mit Stern gendern durfte (aber immerhin mit Binnen-I). Zum Bloggen hier bin ich in den drei Monaten offensichtlicherweise gar nicht gekommen. Manche Wochen waren stressig und als ich Freitagabend erschöpft ins Bett fiel, schien Montagmorgen schon wieder unendlich weit weg. Umfragen und Flyerverteilaktionen zwangen mich dazu, über meinen Schatten zu springen und mir völlig fremde Menschen anzusprechen. Bei den Bezirkswahlen stand ich zum ersten Mal auf der anderen Seite – nicht auf der Wahlparty, sondern im Redaktionsbüro, wo panisch die Seite mit den Wahlergebnissen aktualisiert wurde. (Wir waren einen Tweet schneller als die Springerpresse™, yay! :P)

Ich habe viel zu oft zugesagt, Texte am Wochenende fertigzuschreiben – und war mitten in der Woche nachmittags zum Fotografieren im sonnigen Park. Ich habe die Nervösität verloren, die ich am Anfang damit verband, dass meine Texte jetzt zur Gesamtqualität oder eben Nichtqualität eines lokal relativ bekannten Magazins beitragen – und mich in Recherchen. Nicht selten saß ich abends noch lange nach Feierabend im Büro, schrieb Texte zu Ende oder lachte beim Verputzen einer Wassermelone mit den anderen Redaktionsmitgliedern Tränen. Zusammen mit Tobias visualisierte ich das Wahlergebnis der Bezirkswahl mit Obst und Gemüse – was irgendwie nicht alle Kartoffeln so lustig fanden wie wir… ¯\_(ツ)_/¯ Kaffee kochen stand auf meiner Aufgabenliste jedenfalls ganz sicher nicht an erster Stelle.

Gemüseparlament_titel
Der Tag, an dem ich eine einzelne Kartoffel nachkaufte…

Und jetzt? Genieße ich es gerade ziemlich, endlich mal wieder die Ruhe für diesen Post zu haben. Und bin gerade ziemlich irritiert, dass mein Blog gar kein Beitragbild im Format 770×440 von mir möchte… :D Was Mittendrin betrifft: Nun, ich gehe davon aus, dass sich nicht am 31. Juli um 18.01 Uhr automatisch mein WordPress-Konto löscht und die Tür zur Koppel 106 für mich magisch verschließt. Zumal am 23. August ja erstmal die Einweihungsparty des neuen Büros steigt. Also heißt es ab dem 1. August hoffentlich: Nicht mehr mittendrin, aber immer noch irgendwie dabei!

Oberes Foto: Jonas Walzberg

Fotocollage: Tobias Johanning

Rage-GIF: Tobias Johanning

Gemüseparlament: Tobias Johanning & Vanessa Kleinwächter

Zu verschenken

Ohai Menschen,

bei mir fliegen gerade kistenweise Bücher, die ich nicht mehr brauche/lese/rumstehen haben will.  Da eins auf Amazon nix mehr dafür kriegt, würde ich sie jetzt einfach gegen real anfallende Porto- und Verpackungskosten verschenken. Teilen ist eh das neue Haben und sharing is caring! Kommunismus!!1! (Es sei denn, ihr möchtet mir noch was dafür geben, dann will ich euch auch nicht aufhalten. :D) Es handelt sich um gebrauchte Bücher, die sich jedoch noch in gutem Zustand  befinden. Bei Interesse einfach melden, am Besten auf Twitter oder per Mail an mail[ät]zwischenruf[punkt]org.

Folgende Bücher sind es im Einzelnen (to be updated):

 

{Hardcover}

*Gabriele Beyerlein: Der Berg des weißen Goldes

*Eva Ibottson: Das Geheimnis von Bahnsteig 13

*Annette Herzog: LilliLinda Superstar – Verschollen im Computer

*Bellinda: Der gestohlene Geigenkasten – Ein Ratekrimi um Albert Einstein

*René Guillot: Grischka – Die spannendsten Abenteuer (neu)

*Angelika Pampus: Wir wollen keine Autobahn

*Hilde Kähler-Timm: Mit den Möwen fliegen

*Tine Bergen: Sazige Küsse – Das Geheimnis eines Sommers

*Joachim Friedrich: 4 1/2 Freunde und die Weihnachtsmannconnection

*Elisabeth Zöller: Die Chaosfamilie und die halbe Weltreise

*Cornelia Funke: Die Wilden Hühner – Fuchsalarm

*Britney u. Lynne Spears: Das Lied der Liebe

*Astrid Lindgren: Pippi plündert den Weihnachtsbaum

*Jo Hoeslandt: Die kleinen Geheimnisse meiner großen Schwester

*Tanja Jeschke: Carolin und die Sache mit den geklauten Klunkern

*Jana Frey: Das verrückte Klassenzimmer – Ein verwünschter Schultag

*Måns Gunnar Gahrton, Johan Unege: Eva & Adam – Beste Freundin, beste Feindin

*Enid Blyton: Hanni und Nanni kommen groß raus

*Sarah Bosse: Vier wilde Skater – Applaus für Daniel und Sara

 

 

{Paperback}

*Bernhard Hennen: Die Elfen (Mängelexemplar-Stempel)

*Henry Winterfeld: Caius, der Lausebengel aus dem alten Rom – alle Abenteuer (Mängelexemplar-Stempel)

*Uschi Flacke: Tessa und Sara im Castingfieber

*Edgar Allan Poe (adapted): Tales of Mystery and Imagination

*Joachim Bublath: Das Beste aus Knoff-Hoff – 80 Experimente, Tricks und Kunststücke

*Mary-Kate & Ashley Olsen: So little time – Doppelband “Zu schön, um wahr zu sein” u. “Liebe und andere Katastrophen”

*mary-kateandashley/Megan Stine: Ein Zwilling kommt selten allein – Zwei sind einer zu viel

*Peter Schwindt: Justin Time – Zeitsprung

*Peter Freund: Laura und das Geheimnis von Aventerra

*Peter Freund: Laura und das Siegel der sieben Monde

*Peter Freund: Laura und das Orakel der silbernen Sphinx

*Peter Freund: Laura und der Fluch der Drachenkönige

*Frank Rodgers: Kampf um Schloss Eckzahn

*Herbert Friedmann: Lovesong for Amelie – Liebeslied for Amelie

*Waldtraut Lewin: Tochter der Lüfte

*Francine Oomen: Rosas schlimmste Jahre – Wie überlebe ich meinen ersten Kuss?

*Francine Oomen: Rosas schlimmste Jahre – Wie überlebe ich ein gebrochenes Herz?

*Anthologie: Immer diese Schule

*Paul Maar: Anne will ein Zwilling werden

*Michael Crichton: Im Kreis der Welt – Ein Autor und seine Reisen

*Bill Bryson: Reif für die Insel – England für Anfänger und Fortgeschrittene

*Doris Meißner-Johannknecht: E-M@il in der Nacht

*Christine Nöstlinger: Rosalinde hat Gedanken im Kopf

 

 

Was vom Sommer bleibt? Enttäuschung.

Eigentlich wollte ich nur kurz den Titel des Buches lesen, weil das Design ihn schwer erkennen ließ. Dann doch kurz reingelesen und festgestellt, dass eine der Hauptpersonen genau in meinem Alter ist. Klappentext gelesen, für interessant befunden und das Buch ausgeliehen und innerhalb weniger Stunden fast am Stück durchgelesen. Der Schreibstil gefällt mir. Ich schließe das Buch mit einer Träne im Augenwinkel. Und doch ist es eigentlich nicht wirklich gut, möchte ich das wirklich tolle Zitat Der Sommer hat tausend und eine Tür und die stehen auf Durchzug, weil es heiß ist kaum teilen. Dennoch mit euch teilen möchte ich meinen Leseeindruck vom Buch “Was vom Sommer bleibt” von Tamara Bach.

[CN verschiedene *ismen]

Es fängt schon damit an, dass die 13-jährige Jana sich an ihrem Geburtstag zum ersten Mal schminken möchte, weil sie ja jetzt schließlich kein Kind mehr ist, sondern Teenager. Ihre Eltern sind nicht zu Hause, deshalb entscheidet sie einfach für sich selbst, dass sie das darf. Denn: “Aise aus der b schminkt sich sogar schon seit der sechsten. Und die ist Türkin.” Äh, was? Über die Familie oder die Klassenkameradin erfahren die Lesenden nichts weiter. Wer weiß, ob Aises Familie überhaupt muslimisch lebt, aber eins kann es ja mal annehmen. Sollte eins nur eben nicht. Der Stereotyp von den irgendwie seltsamen Ausländer*innen bei denen Frauen* nichts dürfen und überhaupt, bleibt unreflektiert stehen. (An dieser Stelle sei übrigens auch auf die Hashtags #EmpoweredMuslimWomen und #MuslimSexEd hingewiesen, die in den letzten Tagen initiiert wurden und momentan recht aktiv genutzt werden.)

Die nächste Szene, die mir aufgefallen ist, spielt auf einer Party. Jana trifft einen ehemaligen Kumpel und Klassenkameraden ihres mehrere Jahre älteren Bruders wieder, er lädt sie zum Grillen ein. Im Verlauf des Abends trinken beide Alhohol (“Und dann hat Fabian mir ein Radler gemacht. Eigenlich mag ich Bier nicht so, aber mit Sprite ist es lecker und frisch”. Immerhin kriegt sie es vorher am Strand hin, trotz der Gruppe Älterer, auf die sie nicht kindlich wirken möchte, das ihr angebotene Bier abzulehnen). Dann geht sie raus, setzt sich alleine auf die Hollywood-Schaukel im Garten. Irgendwann kommt dann Fabian zu ihr, bringt ihr ungefragt noch ein Bier mit und fängt ebenso ungefragt an, ihre Hand zu nehmen und näher an sie ranzurücken. Bis seine Freundin kommt und das mitkriegt. Und alle die völlig verwirrte Jana anschreien und als “Flittchen” beschimpfen. Bevor irgendwie nochmal deutlich gemacht würde, dass es ja wohl eindeutig nicht sie war, die die Sache angefangen hat, sondern vielmehr mit der Grenzüberschreitung ihres Gegenüber völlig überfordert war, ist die Szene auch schon wieder vorbei. Urgs.

Dafür lässt der nächste Fall von Alltagsrassismus – bei dem ich dann tatsächlich überlegt habe, das Buch halb gelesen zur Seite zu legen – nicht lange auf sich warten. Die andere Hauptperson der Geschichte, die 17-jährige Lousie, nimmt Fahrstunden bei einem gewissen Herrn Kehrer. Während sie fährt, isst er Wurstbrötchen, über die sie sich relativ ausführlich Gedanken macht: Der isst doch schon bei mir ständig Wurstbrötchen, wie viele das wohl in der Woche sind? Dass er hinter dem von Jana völlig frei erfundenen Fahrraddiebstahl “wieder diese Polen” vermutet, ist zwar durchaus realistisch, ihr aber wohl keinen weiteren Gedanken wert. Der Satz bildet unkritisiert den Abschluss des entsprechenden Kapitels.

Aber auch selbst hat Louise es mit der sensiblen Sprache leider nicht so. Als sie durch die Prüfung fällt und von einer Mutter erzählt bekommt, dass ihr Sohn sogar mehrmals durch seine gefallen ist, werden ihre Gedanken zitiert mit: “Ja, aber dein Sohn ist wahrscheinlich auch strunzblöd, und du weißt das nicht, weil du ihn viel zu gern hast.” Bitte?! Ähnlich verhält es sich mit Jana, die eine nervige Klassenkameradin an einer Stelle als “Tusse” bezeichnet, die Kinder ihrer Verwandten als “Kinder von Assis“. Dass eins in schwierigen Situationen auch mal irrationale und unfreundliche Gedanken hat, ist verständlich, aber muss es wirklich sowas sein?

Und dann wäre da noch die Stelle, wo die beiden zusammen abhauen, einfach mal raus aus dem Alltag, denn schließlich haben sie gerade keine Verpflichtungen mehr: Sie sind so jung, sie “müssen nicht mal wählen gehen”. Man* kann von der politischen Situation in Deutschland halten, was man* will, und unsere Demokratie ist momentan sicherlich meilenweit von Perfektion entfernt. Auch will ich nicht behaupten, dass Politik nicht anstrengend wäre und eins nicht auch mal eine Auszeit davon bräuchte. Aber das Wählen als just another annoying adults’ duty darzustellen, halte ich dann doch eher für gefährlich.

 

Fazit: Umgang, Vorurteile und Sprache sind hier zwar (leider) nicht unrealistisch, sondern spiegeln weit verbreitetetes Verhalten wider. Bücher müssen die Gesellschaft auch nicht geschönt darstellen, zumal es sich ja durchaus nicht um einen Heile-Welt-Roman handelt. Allerdings bleiben die Ereignisse so unkritisiert und uneingeordnet stehen, dass sie normal und vertretbar erscheinen. Dadurch werden solche Annahmen verfestigt, statt sie zu verändern. Das ist mindestens unsensibel und macht das Buch trotz der meiner Meinung nach ansonsten gut gelungenen Geschichte in meinen Augen zu einer Enttäuschung.

Kekse

Manchmal im Leben ist da dieses starke Bedürfnis, etwas ganz  Bestimmtes zu tun. Wider gut gemeinten Rat und obwohl es auf den ersten  Blick völlig absurd klingt. Einfach, weil es gerade jetzt richtig erscheint.

Es kann passieren, dass du dann völlig auf dich alleine  gestellt bist; vielleicht über einen nicht einmal ganz so großen  Erfahrungsschatz verfügst, auf den du zurückgreifen könntest. Und ja, es  kann auch passieren, dass es dann nicht ganz so gut wird, wie gehofft. Oder, dass der erste Versuch ganz scheitert. Vielleicht sind die Bedingungen nicht ganz ideal und du musst ein wenig improvisieren.

Aber das ist immernoch  besser, als sich einzureden, dass das ja gerade nicht geht und man es  sicherheitshalber gar nicht erst versuchen sollte. Lieber dem eigenen Bauchgefühl  gefolgt und neue Erfahrungen gemacht, als aus Angst, zu scheitern oder  aus der Rolle zu fallen gar nicht erst anzufangen!

 Manchmal sind die Nächte lang und mein Hirn spinnt interessante Metaphern.

 Manchmal ist das Leben wie nachts um halb zwei Kekse backen.

IMG_3020(So schlecht sind sie übrigens gar nicht geworden – bedient euch!)

GEFAHR/ENGE/BIET

Kopf voll
Träume
Hoffentlich
Bald wird
Alles anders
Vielleicht
 
Freiheit
Gerechtigkeit
Das schöne
Leben
 
Grenzenlos
 
Augen auf
Einbruch
der Realität
Mauern
in den Köpfen
Gefahr
Gewalt
Un-
gerechtigkeit
 
Hilflos
 
Tränen
Fallen
Stumm
 
Was passiert
Ernüchtert
Wo
Gestern noch
Träume
Waren, ist
Jetzt nur noch
der Wunsch
die Wunden
mögen endlich
Heilen
 
 

Neujahr

Es ist der erste Nachmittag des Jahres, wie für den Winter üblich wird es bereits langsam dunkel. Nachdem mich die Erkältung tagelang ans Bett gefesselt hatte, habe ich mich nun doch mal wieder nach draußen getraut. Ich habe Silvester zwar nicht wirklich gefeiert, dafür habe ich heute auch keine Kopfschmerzen. Jetzt stehe ich am Baggersee bei mir gleich um die Ecke, irgendeinen Vorteil muss dieses Kaff ja haben. Riesige Wassermassen, die viele Menschen verletzen könnten, wenn man sie mit genügend Druck aus einem Wasserwerfer schießen würden. Wassermassen, die vermutlich trotzdem daran scheitern würden, einen überhitzten Reaktorkern ausreichend zu kühlen, um das Schlimmste zu verhindern. Aber darum geht es ja auch gar nicht, zumindest nicht im Moment. Dieses Wasser hier liegt gerade einfach nur relativ ruhig vor mir. Am Himmel hängen Wolkenfetzen, die interessante Muster bilden und sich dunkel im See spiegeln. In der Ferne reflektiert die Wasseroberfläche irgendein Licht, zieht einen langen hellen Streifen am Rande meines Blickfeldes. Ab und zu treibt der Wind ein paar sanfte Wellen ans Ufer. Über mir kreisen schon wieder die ersten Vogelschwärme, ihr Schnattern mischt sich mit dem entfernten Knallen einzelner noch übrig gebliebener Silvesterböller.

Das neue Jahr ist noch keine vierundzwanzig Stunden alt, doch dafür war es schon ziemlich gut. Ich habe schon mehreren Menschen gesagt, dass ich sie mag, und habe schon von mehreren Menschen gesagt bekommen, dass sie mich mögen. Ich habe schon einen Menschen weggeschickt, als ich gerade nicht mit ihm reden wollte – das fühlte sich nicht gut an, aber richtig. Ich habe in den letzten Stunden des alten Jahres noch einen neuen Freund gefunden, und einen alten wiedergefunden, irgendwie. Ich habe schon gute Musik gehört und dabei einfach am Fenster gestanden, rausgeschaut und mein Herz schlagen gehört. Ich habe schon etwas getan, was ich bereits seit Wochen erledigt haben wollte. Und auch wenn ich weiß, dass 2014 wie seine Vorjahre nicht immer einfach und heiter Sonnenschein sein wird, und wir eine Große Koalition haben und Polizist*innen die politisch motiviert um sich schlagen und einen Überwachungsskandal den keiner erkennen will und eine kaputte Flüchtlingspolitik und was weiß ich was noch, habe ich ein gutes Gefühl. Jedenfalls für mich persönlich. Ein richtig gutes Gefühl.

Langsam wird es doch ganz schön kalt; ich drehe mich um und laufe zurück, über den kaputten, erdbedeckten Weg, der zum See führt. In der Ferne leuchten die Lichter meiner Straße, wie eine Allee aus Lichterbäumen. Plötzlich beginne ich schnell darauf zuzulaufen, es ist ein wenig wie mit diesem neuen Jahr das da vor mir liegt, ich kann gar nicht schnell genug vorankommen. Schließlich auf dem Bürgersteig überlege ich kurz, ob ich die Weihnachtsbeleuchtung jetzt endlich anzünden darf oder mich vielleicht einfach über die Lichter freuen sollte. Letztendlich entscheide ich mich dafür, sie einfach zu ignorieren, und gehe weiter. Vorbei an den Autos auf dem Parkplatz, vorbei an den anderen Häusern. Die Straße ist verlassen, außer mir ist kein Mensch mehr unterwegs. In der Dunkelheit leuchtet das Fenster unseres Wohnzimmers.

Herzliste

Ein Tag noch, bis dieses Jahr zu Ende ist. Wow. Es ist mal wieder ‘ne Menge passiert – viel Schlechtes, viel Gutes. Jetzt wäre es dann mal an der Zeit, Vorsätze fürs neue Jahr aufzustellen. Die man dann im Laufe der Zeit eh untergehen und am Ende des Jahres wieder aufs nächste verschoben werden. Ihr kennt das.

Aber Halt! Mina hat da eine viel bessere Idee. Warum eine Liste an Dingen aufstellen, die einen unter Druck setzt und am Ende eh nicht erledigt wird? Warum sich nicht stattdessen lieber mal vornehmen, wieder vermehrt Aktivitäten in den Alltag einzubauen, die einem guttun? Endlich mal wieder einen Ausgleich zu den Anstrengungen von Aktivismus/Schule/Studium/Job/whatever schaffen? Eben!

Meine Vorsätze für 2013 gingen eh schon eher in diese Richtung, waren aber eher allgemeine Grundeinstellungen. Hier mal ein wenig konkreter meine vorläufige Herzliste für 2014:

 

♥ Dr. Who durchgucken (das dürfte eine Weile reichen, ich bin gerade am Ende der ersten Staffel^^)

♥ Menschen treffen & Musik feiern: Antifakon, #sfm18 (mit Schokobrunnen und Bällebad!), ESC-Finale in Kopenhagen, Ruhrpott-Rodeo, Open Flair –  to be continued…

♥ “Blau ist eine warme Farbe” (Kinofilm), “Fack Ju Göhte” (Kinofilm) und “V wie Verfassungsschutz” (Theaterstück) ansehen

♥ Mir mehr Zeit zum Lesen nehmen. Für den Anfang: Die Harry-Potter-Reihe zu Ende lesen (ich lese sie gerade nochmal komplett auf Englisch), “Will Grayson, Will Grayson” von John Green und “Party Time” von Harold Pinter. Weitere Vorschläge nehme ich gerne entgegen ;)

♥ Mir mehr Zeit zum Schreiben nehmen. Auf meiner Festplatte fliegen noch x Kurzgeschichten und angefangene Romanversuche rum, die gerne mal beendet werden wollen. Oder halt wieder was Neues anfangen. Auf jeden Fall mal wieder ein Prosawerk beenden.

♥ Mir endlich eine eigene DSLR-Kamera kaufen und mich eingehend mit den technischen Details und Einstellungsmöglichkeiten beschäftigen.

♥ Mehr Sport machen (Muskeltraining/Tanzen/Selbstverteidigung/Yoga…), vielleicht auch mal wieder im Verein.

♥ Meine Gitarre wieder in einen spielfähigen Zustand zurückversetzen. Und zumindest die Lieder wieder spielen lernen, die ich mal konnte – gerne natürlich mehr. (Danke an @TSmithRV für die Erinnerung! :D)

♥ An einem Podcast mitwirken würde ich ja auch gerne endlich mal… :3

 

Und ihr so? :)